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2920, Abendstern, Band XII ist ein Buch in The Elder Scrolls III: Morrowind, The Elder Scrolls IV: Oblivion und The Elder Scrolls V: Skyrim.

Fundorte[]

Morrowind[]

Oblivion[]

  • Anvil, Festung, Königliche Gemächer
    In der nordöstlichen Ecke auf einem Tisch bei einem grünen Seidengewand
  • Bravil, Schloss Bravil-Kaserne
    In einem Bücherregal ein paar Schritte westlich vom Eingang

Skyrim[]

Inhalt[]

Abendstern
Buch Zwölf aus dem Jahr
2920, dem letzten Jahr der ersten Ära

von Carlovac Taunwei


1 Sonnenuntergang, 2920
Balmora, Morrowind

Die Wintermorgensonne funkelte durch das Netz aus Frost, das das Fenster bedeckte, und Almalexia öffnete die Augen. Ein uralter Heiler wischte mit einem nassen Tuch über ihre Stirn und lächelte erleichtert. Auf dem Stuhl neben ihrem Bett schlief Vivec. Der Heiler eilte zu einem Schrank an der Wand und kehrte mit einem Krug Wasser zurück.

'Wie fühlt Ihr Euch, Göttin?', fragte der Heiler.

'So, als hätte ich sehr lange geschlafen', sagte Almalexia.

'Das habt Ihr. Fünfzehn Tage lang', sagte der Heiler und berührte Vivecs Arm. 'Meister, wacht auf. Sie spricht.'

Vivec schreckte aus dem Schlaf hoch und als er sah, dass Almalexia lebte und wach war, breitete sich auf seinem Gesicht ein breites Grinsen aus. Er küsste sie auf die Stirn und nahm ihre Hand. Endlich war wieder Wärme in ihr zu spüren.

Almalexias friedlicher Gesichtsausdruck verzerrte sich plötzlich: 'Sotha Sil ...'

'Er lebt und es geht ihm gut', antwortete Vivec. 'Er arbeitet wieder irgendwo an einer seiner Maschinen. Er wäre auch hier geblieben, aber dann sah er ein, dass er dir eine größere Hilfe ist, wenn er weiter an seiner besonderen Magie arbeitet.'

Der Burgvogt erschien in der Tür. 'Ich bedaure, Euch stören zu müssen, Meister, aber ich wollte Euch mitteilen, dass Euer schnellster Bote gestern in die Kaiserstadt aufgebrochen ist.'

'Bote?', fragte Almalexia. 'Vivec, was ist passiert?'.

'Ich wollte am Sechsten einen Waffenstillstandsvertrag mit dem Kaiser unterzeichnen, aber ich habe ihm mitteilen lassen, dass der Termin verschoben werden muss.'

'Du kannst mir hier nicht helfen', sagte Almalexia, sich mit einiger Anstrengung aufsetzend. 'Aber wenn du diesen Vertrag nicht unterzeichnest, führst du Morrowind zurück in den Krieg, vielleicht für weitere achtzig Jahre. Wenn du heute mit einer Eskorte aufbrichst und dich beeilst, kannst du die Kaiserstadt mit einer Verspätung von nur ein oder zwei Tagen erreichen.'

'Bist du sicher, dass du mich hier nicht brauchst?', fragte Vivec.

'Ich weiß, dass Morrowind dich mehr braucht.'

6 Sonnenuntergang 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

Kaiser Reman III. saß auf seinem Thron und begutachtete das Audienzzimmer. Es war ein spektakulärer Anblick: silberne Bänder hingen von der Decke herunter, in jeder Ecke standen Rauchfässer mit süßen Kräutern, pyandoneanische Schwalbenschwänze flogen singend durch die Luft. Wenn erst einmal die Kerzen angezündet und die Diener mit ihren Fächern hier sein würden, würde sich der Raum in ein schimmerndes Reich der Fantasie verwandeln. Die Gerüche aus der Küche drangen bereits an seine Nase, der Duft von Gewürzen und Braten.

Der Potentat Versiduae-Shaie und sein Sohn Savirien-Chorak betraten den Raum, beide mit dem Kopfschmuck und Geschmeide der Tsaesci bekleidet. Kein Lächeln zeigte sich auf ihren goldenen Gesichtern, aber das war meistens so. Der Kaiser begrüßte seinen langjährigen Berater trotzdem mit Begeisterung.

'Das sollte diese barbarischen Dunkelelfen beeindrucken', lachte er. 'Wann werden sie erwartet?'.

'Es ist gerade ein Bote von Vivec eingetroffen', sagte der Potentat ernst. 'Ich denke, es wäre am besten, wenn Eure kaiserliche Majestät ihn alleine treffen würde.'

Das Lächeln des Kaisers gefror, aber er bedeutete seinen Dienern mit einem Nicken, sich zurückzuziehen. Dann öffnete sich die Tür und Fürstin Corda betrat mit einem Pergament in der Hand das Zimmer. Sie schloss die Tür hinter sich, schaute aber nicht auf, um dem Kaiser ins Gesicht zu blicken.

'Der Bote gab den Brief meiner Mätresse?', sagte Reman ungläubig und erhob sich, um die Nachricht entgegenzunehmen. 'Dies ist eine höchst ungewöhnliche Methode, eine Botschaft zu überbringen.'

'Aber die Nachricht selbst ist sehr gewöhnlich', sagte Corda und blickte in sein gesundes Auge. Mit einer einzigen, kaum sichtbaren Bewegung hob sie den Brief unter das Kinn des Kaisers. Seine Augen weiteten sich und Blut tropfte auf das leere Pergament. Leer bis auf ein kleines schwarzes Zeichen, das Symbol der Morag Tong. Der Brief fiel zu Boden und ließ den kleinen Dolch sichtbar werden, der unter ihm verborgen war. Corda drehte die Waffe in der Wunde und durchtrennte seine Kehle bis zum Knochen. Der Kaiser stürzte zu Boden, lautlos nach Luft schnappend.

'Wie lange braucht Ihr?', fragte Savirien-Chorak.

'Fünf Minuten', sagte Corda und wischte das Blut von ihren Händen. 'Wenn Ihr mir allerdings zehn geben könntet, wäre ich Euch doppelt dankbar.'

'Sehr gut', sagte der Potentat, als Corda das Audienzzimmer eilig verließ. 'Sie hätte eine Akaviri sein sollen. Die Art und Weise, mit der dieses Mädchen mit der Klinge umgeht, ist wirklich bemerkenswert.'

'Ich muss gehen und unsere Alibis zusammenzimmern', sagte Savirien-Chorak und verschwand in einem der geheimen Durchgänge, die nur die engsten Vertrauten des Kaisers kannten.

'Erinnert Ihr Euch, was Ihr mir vor beinahe einem Jahr gesagt habt, Eure kaiserliche Majestät?', fragte der Potentat lächelnd und blickte auf den sterbenden Mann hinunter. 'Ihr sagtet mir, immer an Folgendes zu denken: ‚Ihr, Akaviri, verfügt über eine Menge ansehnlicher Bewegungen, aber wenn nur einer unserer Schlägen durchkommt, ist alles aus für Euch.' Ich habe daran gedacht, wie Ihr seht.'

Der Kaiser spuckte Blut und schaffte es gerade noch, ein einzelnes Wort hervorzustoßen: 'Schlange.'

'Ich bin eine Schlange, Eure kaiserliche Majestät, innerlich und äußerlich. Aber ich habe nicht gelogen. Da war ein Bote von Vivec. Es sieht so aus, als käme er ein wenig zu spät', sagte der Potentat achselzuckend, bevor er in den geheimen Durchgang verschwand. 'Und macht Euch keine Sorgen. Ich bin sicher, das Essen wird schon nicht schlecht werden.'

Der Kaiser starb in einer Lache seines eigenen Blutes, inmitten seines leeren, für einen großen Ball geschmückten Audienzzimmers. Fünfzehn Minuten später entdeckte ihn einer seiner Leibwächter. Corda war nirgendwo zu finden.

8 Sonnenuntergang 2920
Caer Suvio, Cyrodiil

Fürst Glavius, der sich ausführlichst für den Zustand der Straße durch den Wald entschuldigte, war der erste Abgesandte, der Vivec und seine Eskorte bei deren Ankunft begrüßte. Eine Lichterkette aus brennenden Kugeln schmückte die blattlosen Bäume, die die Villa umgaben, und schwankte leicht im sanften, aber eiskalten Wind. Aus dem Inneren drang der Geruch eines einfachen Mahls und eine traurige Melodie an Vivecs Ohr. Es war ein traditionelles Winterlied der Akaviri.

Versiduae-Shaie begrüßte Vivec an der Eingangstür.

'Ich bin froh, dass Ihr die Nachricht erhalten habt, bevor Ihr die Stadt erreichen konntet', sagte der Potentat und führte seinen Gast in das große, warme Empfangszimmer. 'Wir befinden uns in einer schwierigen Übergangszeit und momentan ist es besser, wenn wir unsere Angelegenheit nicht in der Stadt erledigen.'

'Gibt es keinen Thronerben?', fragte Vivec.

'Keinen offiziellen, obwohl da einige entfernte Cousins um den Thron wetteifern. Während wir uns um eine Lösung in dieser Sache bemühen, haben die anderen Edelmänner beschlossen, dass ich zumindest vorübergehend das Amt meines verblichenen Herrschers übernehmen soll.' Versiduae-Shaie bedeutete den Dienern, zwei bequeme Sessel zum Kamin hin zu ziehen. 'Wäre es Euch genehm, wenn wir das Abkommen sofort unterzeichneten, oder möchtet Ihr zuvor etwas essen?'.

'Ihr beabsichtigt, das Abkommen des Kaisers zu achten?'.

'Ich beabsichtige, alles genau so zu tun wie der Kaiser', sagte der Potentat.

14 Sonnenuntergang, 2920
Tel Aruhn, Morrowind

Corda, noch staubig von der Reise, warf sich in die Arme der Mutter der Nacht. Einen Moment lang blieben sie eng umschlungen stehen und die Mutter der Nacht streichelte ihrer Tochter übers Haar und küsste ihre Stirn. Schließlich griff sie in ihren Ärmel und reichte Corda einen Brief.

'Was ist das?', fragte Corda.

'Ein Brief des Potentaten, in dem er seiner Freude über dein Können Ausdruck verleiht', antwortete die Mutter der Nacht. 'Er hat versprochen, uns zu bezahlen, aber ich habe ihm bereits eine Antwort zurückgeschickt. Die verstorbene Kaiserin hat uns genug für den Tod ihrer Ehemanns gezahlt. Mephala möchte nicht, dass wir übertrieben gierig sind. Man soll nicht zweimal für den gleichen Mord bezahlt werden, so steht es geschrieben.'

'Er hat Rijja, meine Schwester, getötet', sagte Corda leise.

'Und daher warst du es, die den Dolch führte.'

'Wohin gehe ich jetzt?'.

'Wann immer einer unserer heiligen Krieger zu bekannt wird, um seinen Kreuzzug fortsetzen zu können, senden wir ihn zu einer Insel namens Vounoura. Sie ist nicht weiter als einen Monat mit dem Schiff entfernt und ich habe für dich ein wunderschönes Anwesen als Zufluchtsort gewählt. Du wirst viele Freunde treffen und ich weiß, dass du dort endlich Ruhe und Frieden finden wirst, mein Kind.'

19 Sonnenuntergang, 2920
Gramfeste, Morrowind

Almalexia beaufsichtigte den Wiederaufbau der Stadt. Die Stimmung unter der Bevölkerung war wirklich inspirierend, dachte sie, als sie zwischen den Baugerüsten einherging, die inmitten der geschwärzten, zerschmetterten Ruinen der alten Gebäude standen. Sogar die Pflanzenwelt zeigte eine bemerkenswerte Widerstandskraft. In den verbrannten Überresten von Cohmbeeren und Roobüschen regte sich noch Leben. Sie konnte den Puls fühlen. Im nächsten Frühling würde Grün durch das Schwarz hervorbrechen.

Der Nachfolger des Herzogs, ein Bursche von hoher Intelligenz und dem entschlossenen Mut der Dunmer, kam aus dem Norden, um den Platz seines Vaters einzunehmen. Das Land würde mehr als nur überleben: es würde stärker und größer werden. Sie fühlte die Zukunft stärker, als sie die Gegenwart sehen konnte.

Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass Gramfeste auf ewig die Heimat zumindest einer Göttin sein würde.

22 Sonnenuntergang, 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

'Die cyrodiilische Linie ist ausgestorben', verkündete der Potentat der Menge, die sich vor dem Balkon des Kaiserpalastes versammelt hatte. 'Aber das Kaiserreich lebt. Die entfernten Verwandten unseres geliebten Kaisers sind von der Fürstenschaft, die Seiner kaiserlichen Majestät während ihrer langen und strahlenden Herrschaft als Berater zur Seite stand, als des Throns für unwürdig befunden worden. Man hat entschieden, dass ich als unbestechlicher und treuer Freund Remans III. die Verantwortung habe, in seinem Namen weiter zu regieren.'

Der Akaviri machte eine Pause, um seine Worte auf die Bevölkerung einwirken zu lassen. Die starrte ihn aber einfach nur schweigend an. Regen war durch die Straßen der Stadt geströmt, aber nun kam die Sonne heraus und schien die Winterstürme einen Moment lang unterbrechen zu wollen.

'Ich möchte klarstellen, dass ich nicht vorhabe, den Titel eines Kaisers anzunehmen', fuhr er fort. 'Ich war und werde auch weiterhin Potentat Versiduae-Shaie sein, ein Fremder, der freundlich an Eurer Küste empfangen wurde. Ich werde es als meine Pflicht ansehen, meine neue Heimat zu beschützen, und gelobe, dieser Pflicht unermüdlich nachzukommen, bis jemand, der für diese Aufgabe würdiger ist als ich, diese Bürde wieder von mir nimmt. Als meine erste Amtshandlung erkläre ich, dass zum Gedenken an diesen historischen Moment, beginnend mit dem Ersten des Monats Morgenstern, wir in das Jahr Eins der zweiten Ära eintreten werden. Auf diese Weise betrauern wir den Verlust unserer kaiserlichen Familie und schauen nach vorne in die Zukunft.'

Nur ein Mann applaudierte diesen Worten. König Dro'Zel von Senchal glaubte wirklich, dies sei das großartigste Ereignis in der Geschichte von Tamriel. Natürlich war er ziemlich verrückt.

31 Sonnenuntergang, 2920
Ebenherz, Morrowind

In den raucherfüllten Katakomben unterhalb der Stadt, wo Sotha Sil mit seinem geheimnisvollen Uhrwerk-Apparat die Zukunft schmiedete, passierte etwas Unvorhergesehenes. Eine ölige Blase drang aus einem altbewährten Getriebeteil hervor und platzte. Der Hexenmeister wurde Zeuge der Kettenreaktion, die dieses kleine Ereignis auslöste. Ein Rohr glitt einen halben Zentimeter zur Seite. Ein Gang wurde übersprungen. Eine Spule wickelte sich auf und begann, sich in die entgegengesetzte Richtung zu drehen. Ein Kolben, der jahrtausendelang links-rechts, links-rechts gestoßen hatte, begann auf rechts-links zu wechseln. Nichts zerbrach, aber alles veränderte sich.

'Das kann jetzt nicht repariert werden', sagte der Hexenmeister leise.

Er blickte durch einen Riss in der Decke nach oben in den Nachthimmel. Es war Mitternacht. Die zweite Ära, das Zeitalter des Chaos, war angebrochen.

Bethsoftblack Dieser Text stammt aus The Elder Scrolls, einer Spieleserie von Bethesda Softworks, oder von offiziellen Webseiten des Unternehmens. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Bethesda Softworks. Die Verwendung dieses Textes im Elder Scrolls Wiki impliziert keine Zugehörigkeit oder offizielle Verbindung zum Elder Scrolls Wiki oder zu Fandom. Die Nutzung dieses Textes erfolgt im Rahmen der Fair-Use-Bestimmungen des Urheberrechts.
Abendstern
Zwölftes Buch von
2920, im letzten Jahr des Ersten Zeitalters

von Carlovac Townway


1. Sonnenuntergang, 2920
Balmora, Morrowind

Die winterliche Morgensonne schimmerte durch die Eisblumen am Fenster, und Almalexia öffnete die Augen. Ein alter Heiler wischte ihr mit einem feuchten Tuch über die Stirn und lächelte erleichtert. Im Stuhl neben ihrem Bett schlief Vivec. Der Heiler eilte zu einem Schränkchen und kehrte mit einem Wasserkrug zurück.

"Wie fühlt Ihr Euch, Göttin?" fragte der Heiler.

"Als hätte ich sehr, sehr lange geschlafen", sagte Almalexia.

"Das habt Ihr auch. Fünfzehn Tage lang", sagte der Heiler. Er berührte Vivec am Arm. "Meister, wacht auf. Sie spricht."

Vivec schlug die Augen erschrocken auf, aber beim Anblick der lebenden, wachen Almalexia breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er küsste ihre Stirn und nahm ihre Hand. Endlich strahlte ihr Körper wieder Wärme aus.

Almalexia erwachte plötzlich aus ihrer friedlichen Ruhe: "Sotha Sil-"

"...ist am Leben und wohlauf", antwortete Vivec. "Er arbeitet wieder irgendwo an einer seiner Maschinen. Er wollte auch hierbleiben, aber ich habe ihn überzeugen können, dass er dir mit seiner eigenartigen Zauberei mehr nutzen würde."

Der Kastellan erschien in der Tür. "Meister, verzeiht die Störung, ich wollte Euch nur mitteilen, dass Euer schnellster Bote in den frühen Morgenstunden zur Kaiserstadt aufgebrochen ist."

"Bote?" fragte Almalexia. "Vivec, was ist geschehen?"

"Ich sollte am Sechsten beim Kaiser einen Waffenstillstand unterzeichnen, deshalb habe ich ihm Nachricht geschickt, dass es verschoben werden muss."

"Hier kannst du doch nichts für mich tun", sagte Almalexia, während sie sich mühsam aufsetzte. "Aber wenn du diesen Waffenstillstand nicht unterzeichnest, wird Morrowind wieder in einen Krieg gestürzt, der vielleicht weitere achtzig Jahre dauert. Wenn du heute mit einer Eskorte aufbrichst und dich beeilst, erreichst du die Kaiserstadt vielleicht mit nur ein oder zwei Tagen Verspätung."

"Bist du sicher, dass du mich hier nicht brauchst?" fragte Vivec.

"Ich weiß, dass Morrowind dich mehr braucht."

6. Sonnenuntergang, 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

Kaiser Reman III saß auf seinem Thron und betrachtete den Audienzsaal. Es war ein prächtiger Anblick: von den Balken hingen silberne Bänder, in jeder Ecke standen Kessel, in denen süße Kräuter siedeten, pyandonische Schwalbenschwänze flogen umher und erfüllten den Raum mit ihrem Gesang. Sobald die Fackeln angezündet würden und die Diener mit ihren Fächern bereit standen, würde sich das Zimmer in ein schimmerndes Land der Phantasie verwandeln. Er konnte die Gewürz- und Bratendüfte aus der Küche bereits riechen.

Der Potentat Versidue-Shaie und sein Sohn Savirien-Chorak glitten in den Raum; beide trugen Kopfputz und Schmuck der Tsaesci. Auf ihren goldenen Gesichtern war wie meistens kein Lächeln zu sehen. Der Kaiser begrüßte seinen vertrauten Berater dennoch mit Begeisterung.

"Das wird diese wilden Dunkelelfen gewiss beeindrucken", lachte er. "Wann sollen sie eintreffen?"

"Soeben ist ein Bote von Vivec gekommen", sagte der Potentat ernst. "Ich glaube, es wäre das Beste, wenn Eure Kaiserliche Erhabenheit ihn allein träfe."

Dem Kaiser verging sein Lachen, aber er wies seine Diener an, sich zurückzuziehen. Dann öffnete sich die Tür, und die Kurtisane Corda betrat den Raum mit einem Pergament in der Hand. Sie schloß die Tür hinter sich, hielt aber den Blick gesenkt, als sie auf den Kaiser zuging.

Reman erhob sich, um den Brief entgegenzunehmen. "Der Bote hat seinen Brief meiner Geliebten gegeben?", sagte er ungläubig. "Das ist eine höchst unorthodoxe Weise, eine Nachricht zu überbringen."

"Aber die Nachricht selbst ist sehr orthodox", sagte Corda. Sie hob den Kopf und sah ihm in das gute Auge. Mit einer blitzschnellen Bewegung hob sie den Brief unter das Kinn des Kaisers. Seine Augen weiteten sich, und Blut quoll über das leere Pergament. Leer bis auf ein kleines schwarzes Zeichen: das Symbol der Morag Tong. Als es zu Boden fiel, kam der kleine, dahinter verborgene Dolch zum Vorschein, den sie jetzt drehte, um ihm die Kehle weiter durchzuschneiden. Der Kaiser brach zusammen und sank lautlos keuchend zum Boden.

"Wie lange braucht Ihr?" fragte Savirien-Chorak.

"Fünf Minuten", sagte Corda, während sie das Blut von ihren Händen wischte. "Wenn Ihr mir zehn schenken könnt, wäre ich allerdings doppelt dankbar."

"Sehr gut", sagte der Potentat, während Corda bereits aus dem Audienzsaal lief. "Das Mädchen hätte auch eine Akaviri sein können. Die Kunstfertigkeit, mit der sie eine Klinge verwendet, ist wirklich bemerkenswert."

"Ich muss gehen und für unser Alibi sorgen", sagte Savirien-Chorak, und verschwand in einem Geheimgang, von dem nur die engsten Vertrauten des Kaisers wussten.

"Eure Kaiserliche Majestät erinnern sich vielleicht an eine Begebenheit vor etwa einem Jahr." Der Potentat lächelte den sterbenden Mann auf dem Boden an. "Ihr habt gesagt: Merkt Euch eines - ihr Akaviri stellt gern euer Können zur Schau, aber wenn uns auch nur ein Angriff gelingt, ist es mit Euch aus und vorbei. Das habe ich mir gemerkt, wie Ihr seht."

Der Kaiser spuckte Blut und brachte noch ein Wort heraus: "Schlange!"

"Ich bin eine Schlange, Eure Kaiserliche Majestät, durch und durch. Aber ich habe nicht gelogen; Vivec hat tatsächlich einen Boten entsandt. Offenbar wird sich sein Eintreffen etwas hinauszögern." Der Potentat zuckte mit den Achseln, während er auf den Geheimgang zuging. "Aber macht Euch keine Sorgen. Ich bin sicher, dass das Essen nicht verderben wird."

Der Kaiser von Tamriel starb in seinem Blut liegend im leeren, für den großen Ball geschmückten Audienzsaal. Fünfzehn Minuten später fand ihn sein Leibwächter. Corda war spurlos verschwunden.

8. Sonnenuntergang, 2920
Caer Suvio, Cyrodiil

Fürst Glavius war der erste Abgesandte, der Vivec und seine Eskorte bei ihrem Eintreffen empfing. Er entschuldigte sich überschwänglich für die schlechte Straße durch den Wald. Die kahlen Bäume um die Villa waren mit Ketten aus leuchtenden Kugeln geschmückt, die in der kalten Nachtbrise sanft hin- und herschaukelten. Von innen konnte Vivec ein einfaches Festmahl riechen und vernahm eine hohe, traurige Melodie. Es war ein traditionelles Winterlied der Akaviri.

Versidue-Shaie begrüßte Vivec am Vordereingang.

"Ich bin froh, dass Ihr die Nachricht noch erhalten habt, bevor Ihr die Stadt erreichtet." Der Potentat führte seinen Gast in den großen, warmen Salon. "Dies ist eine schwierige Übergangszeit, und im Augenblick ist es am besten, wenn wir diese Angelegenheit nicht in der Hauptstadt besprechen."

"Es gibt keinen Erben?" fragte Vivec.

"Keinen offiziellen, nein, obwohl einige entfernte Vettern um den Thron wetteifern. Der Adel hat beschlossen, dass ich vorübergehend die Ämter und Pflichten meines verstorbenen Herrn übernehme, bis die Verhältnisse geklärt sind." Versidue-Shaie wies die Diener an, zwei bequeme Sessel vor den Kamin zu ziehen. "Wäre es euch recht, wenn wir das Abkommen sofort unterzeichnen, oder möchtet Ihr lieber vorher etwas essen?"

"Ihr wollt das Abkommen des Kaisers erfüllen?"

"Ich will alles im Sinne des Kaisers tun", sagte der Potentat.

Sonnenuntergang 14 Sonne, 2920
Tel Aruhn, Morrowind

Noch staubig von der Reise warf sich Corda in die Arme der Mutter der Nacht. Einen Moment lang standen sie eng umschlungen. Die Mutter der Nacht strich ihrer Tochter über das Haar und küsste ihre Stirn. Schließlich griff sie in ihren Ärmel und reichte Corda einen Brief.

"Was ist das?" fragte Corda.

"Ein Brief vom Potentaten, in dem er sein Entzücken über dein Können ausdrückt", antwortete die Mutter der Nacht. "Er verspricht uns einen Lohn, aber ich habe ihm bereits eine Antwort geschickt. Die verstorbene Kaiserin hat uns schon genug für den Tod ihres Mannes entlohnt. Mephala würde nicht wollen, dass wir übermässig gierig sind. Du sollst nicht zweimal für denselben Mord bezahlt werden, so steht es geschrieben."

"Er hat meine Schwester Rijja umgebracht", sagte Corda leise.

"Deshalb solltest ja auch du den Schlag ausführen."

"Wohin soll ich jetzt gehen?"

"Wird ein Mitglied unserer Gemeinschaft zu bekannt, um den heiligen Feldzug fortzusetzen, schicken wir es auf eine Insel, genannt Vounoura. Sie ist etwa eine Monatsreise von hier mit dem Schiff entfernt, und ich habe für ein wunderschönes Anwesen gesorgt, das dir dort als Zuflucht dient". Die Mutter der Nacht küsste die Tränen des Mädchens fort. "Du wirst dort viele Freunde treffen, mein Kind, und ich weiß, dass du endlich Frieden und Glück finden wirst."

19. Sonnenuntergang, 2920
Gramfeste, Morrowind

Almalexia inspizierte den Wiederaufbau der Stadt. Der ungebrochene Geist der Bürger war wahrlich beeindruckend, dachte sie, als sie an den Gerüsten der neuen Bauten entlangging, die zwischen den geschwärzten Ruinen der alten Stadt standen. Sogar das Pflanzenleben zeigte eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. In den Combeer- und Roobuschsträuchern, die einst die Hauptallee gesäumt hatten, war noch Lebenskraft. Sie spürte, wie sie pulsierte. Im nächsten Frühling würde Grün aus dem schwarzen Geäst sprießen.

Der Erbe des Herzogs, ein Jüngling von beträchtlicher Intelligenz und mit dem unerschütterlichen Mut der Dunmer, war unterwegs vom Norden hierher, um den Platz seines Vaters einzunehmen. Die Nation würde sich nicht nur erholen; sie würde stärker werden und expandieren. Die Zukunft, das spürte sie, barg mehr als die Gegenwart.

Und eines wusste sie ganz sicher: Gramfeste würde für immer die Heimat wenigstens einer Göttin sein.

Sonnenuntergang 22 Sonne, 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

"Die Linie von Cyrodiil ist ausgestorben", verkündete der Potentat auf dem Balkon des Kaiserpalasts der versammelten Menge darunter. "Aber das Kaiserreich lebt weiter. Die entfernten Verwandten unseres geliebten Kaisers sind von den Edelleuten, die seine Kaiserliche Majestät während seiner langen und ruhmreichen Regentschaft treu beraten haben, als für die Thronfolge unwürdig befunden worden. Es ist daher beschlossen worden, dass ich als unparteiischer und treuer Freund Remans des Dritten die Verpflichtung übernehmen soll, in seinem Namen weiterzumachen."

Der Akaviri hielt inne, damit seine Worte gebührend auf die Bevölkerung wirken konnten. Diese starrte ihn jedoch nur schweigend an. In den Straßen hatte es unablässig geregnet, aber die Sonne war kurz hinter den Wolken hervorgetreten, als würde ihnen von den Winterstürmen eine Atempause gegönnt.

"Ich möchte nachdrücklich betonen, dass ich den Titel des Kaisers nicht beanspruche" setzte er fort. "Ich bin und bleibe weiterhin Potentat Versidue-Shaie, ein Fremder, der in diesem Land freundlich aufgenommen wurde. Es wird meine Aufgabe sein, meine Wahlheimat zu schützen, und ich gelobe feierlich, unermüdlich an dieser Aufgabe zu arbeiten, bis jemand, der ihrer würdiger ist, mir diese Last abnimmt. Als erste Amtshandlung erkläre ich hiermit, dass zum Gedenken an diesen historischen Moment vom Ersten des Morgensterns an das Jahr Eins des Zweiten Zeitalters nach unserer Zeitrechnung beginnen wird. Somit betrauern wir den Verlust unserer kaiserlichen Familie und blicken mit Zuversicht in die Zukunft."

Diesen Worten applaudierte nur ein Mann. König Dro'Zel von Senchal glaubte aufrichtig, dass dies das Beste sei, was Tamriel in seiner langen Geschichte je geschehen war. Er war natürlich vollkommen verrückt.

31. Sonnenuntergang, 2920
Ebenherz, Morrowind

In den verqualmten Katakomben unter der Stadt, wo Sotha Sil mit seinem geheimnisvollen Uhrwerk-Apparat die Zukunft schmiedete, geschah etwas Unvorhergesehenes. Aus einem Getriebe, das seine Dienste bisher problemlos verrichtet hatte, sickerte eine ölige Luftblase und zerplatzte. Sofort richtete der Zauberer seine Aufmerksamkeit darauf und auf die Kette, die diesen kleinen Vorgang ausgelöst hatte. Ein Rohr verschob sich um einen halben Zoll nach links. Ein Zahnriemen verrutschte. Eine Spule wickelte sich neu auf und begann, in Gegenrichtung zu rotieren. Ein Kolben, der seit Jahrtausenden links-rechts, links-rechts gestoßen hatte, begann plötzlich, rechts-links zu stoßen. Nichts zerbrach, aber alles änderte sich.

"Da kann man jetzt nichts mehr machen", sagte der Zauberer leise.

Er sah durch einen Riss in der Decke in den Nachthimmel hinauf. Es war Mitternacht. Die zweite Ära, das Zeitalter des Chaos, hatte begonnen.

Bethsoftblack Dieser Text stammt aus The Elder Scrolls, einer Spieleserie von Bethesda Softworks, oder von offiziellen Webseiten des Unternehmens. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Bethesda Softworks. Die Verwendung dieses Textes im Elder Scrolls Wiki impliziert keine Zugehörigkeit oder offizielle Verbindung zum Elder Scrolls Wiki oder zu Fandom. Die Nutzung dieses Textes erfolgt im Rahmen der Fair-Use-Bestimmungen des Urheberrechts.
Abendstern
2920: Band XII
Das letzte Jahr der Ersten Ära

Von Carlovac Townway


1. Sonnenuntergang 2920
Balmora, Morrowind

Die winterliche Morgensonne schimmerte durch die Eisblumen am Fenster und Almalexia öffnete die Augen. Ein alter Heiler wischte ihr mit einem feuchten Tuch über die Stirn und lächelte erleichtert. Im Stuhl neben ihrem Bett schlief Vivec. Der Heiler eilte zu einem Schränkchen und kehrte mit einem Wasserkrug zurück.

"Wie fühlt Ihr Euch, Göttin?", fragte der Heiler.

"Als hätte ich sehr, sehr lange geschlafen", sagte Almalexia.

"Das habt Ihr auch. Fünfzehn Tage lang", sagte der Heiler. Er berührte Vivec am Arm. "Meister, wacht auf. Sie spricht."

Vivec schlug die Augen erschrocken auf, aber beim Anblick der lebenden, wachen Almalexia breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er küsste ihre Stirn und nahm ihre Hand. Endlich strahlte ihr Körper wieder Wärme aus.

Almalexia erwachte plötzlich aus ihrer friedlichen Ruhe: "Sotha Sil –"

"... ist am Leben und wohlauf", antwortete Vivec. "Er arbeitet wieder irgendwo an einer seiner Maschinen. Er wollte auch hierbleiben, aber ich habe ihn überzeugen können, dass er Euch mit seiner eigenartigen Zauberei mehr nutzen würde."

Der Kastellan erschien in der Tür. "Meister, verzeiht die Störung, ich wollte Euch nur mitteilen, dass Euer schnellster Bote in den frühen Morgenstunden zur Kaiserstadt aufgebrochen ist."

"Bote?", fragte Almalexia. "Vivec, was ist geschehen?"

"Ich sollte am Sechsten beim Kaiser einen Waffenstillstand unterzeichnen, deshalb habe ich ihm Nachricht geschickt, dass es verschoben werden muss."

"Hier könnt Ihr doch nichts für mich tun", sagte Almalexia, während sie sich mühsam aufsetzte. "Aber wenn Ihr diesen Waffenstillstand nicht unterzeichnet, wird Morrowind wieder in einen Krieg gestürzt, der vielleicht weitere achtzig Jahre dauert. Wenn Ihr heute mit einer Eskorte aufbrecht und Euch beeilt, erreicht Ihr die Kaiserstadt vielleicht mit nur ein oder zwei Tagen Verspätung."

"Seid Ihr sicher, dass Ihr mich hier nicht braucht?", fragte Vivec.

"Ich weiß, dass Morrowind Euch mehr braucht."


6. Sonnenuntergang 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

Kaiser Reman III. saß auf seinem Thron und betrachtete den Audienzsaal. Es war ein prächtiger Anblick: von den Balken hingen silberne Bänder, in jeder Ecke standen Kessel, in denen süße Kräuter siedeten, pyandonische Schwalbenschwänze flogen umher und erfüllten den Raum mit ihrem Gesang. Sobald die Fackeln angezündet und die Diener mit ihren Fächern bereit stehen würden, würde sich der Raum in ein schimmerndes Märchenland verwandeln. Er konnte die Gewürz- und Bratendüfte aus der Küche bereits riechen.

Der Potentat Versidue-Shaie und sein Sohn Savirien-Chorak glitten in den Raum. Beide trugen Kopfputz und Schmuck der Tsaesci. Auf ihren goldenen Gesichtern war wie meistens kein Lächeln zu sehen. Der Kaiser begrüßte seinen vertrauten Berater dennoch mit Begeisterung.

"Das wird diese wilden Dunkelelfen gewiss beeindrucken", lachte er. "Wann sollen sie eintreffen?"

"Soeben ist ein Bote von Vivec gekommen", sagte der Potentat ernst. "Ich glaube, es wäre das Beste, wenn Eure kaiserliche Erhabenheit ihn allein träfe."

Dem Kaiser verging sein Lachen, aber er wies seine Diener an, sich zurückzuziehen. Dann öffnete sich die Tür, und die Kurtisane Corda betrat den Raum mit einem Pergament in der Hand. Sie schloss die Tür hinter sich, hielt aber den Blick gesenkt, als sie auf den Kaiser zuging.

Reman erhob sich, um den Brief entgegenzunehmen. "Der Bote hat seinen Brief meiner Geliebten gegeben?", sagte er ungläubig. "Das ist eine höchst unorthodoxe Weise, eine Nachricht zu überbringen."

"Aber die Nachricht selbst ist sehr orthodox", sagte Corda. Sie hob den Kopf und sah ihm in das gute Auge. Mit einer blitzschnellen Bewegung hob sie den Brief unter das Kinn des Kaisers. Seine Augen weiteten sich, und Blut quoll über das leere Pergament. Leer bis auf ein kleines schwarzes Zeichen: das Symbol der Morag Tong. Als es zu Boden fiel, kam der kleine, dahinter verborgene Dolch zum Vorschein, den sie jetzt drehte, um ihm die Kehle weiter durchzuschneiden. Der Kaiser brach zusammen und sank lautlos keuchend zum Boden.

"Wie lange braucht Ihr?", fragte Savirien-Chorak.

"Fünf Minuten", sagte Corda, während sie das Blut von ihren Händen wischte. "Wenn Ihr mir zehn schenken könnt, wäre ich allerdings doppelt dankbar."

"Sehr gut", sagte der Potentat, während Corda bereits aus dem Audienzsaal lief. "Das Mädchen hätte auch eine Akaviri sein können. Die Kunstfertigkeit, mit der sie eine Klinge verwendet, ist wirklich bemerkenswert."

"Ich muss gehen und für unser Alibi sorgen", sagte Savirien-Chorak, und verschwand in einem Geheimgang, von dem nur die engsten Vertrauten des Kaisers wussten.

Der Potentat lächelte den sterbenden Mann auf dem Boden an. "Merkt Euch eines – Ihr Akaviri stellt gern Euer Können zur Schau, aber wenn uns auch nur ein Angriff gelingt, ist es mit Euch aus und vorbei. Das habe ich mir gemerkt, wie Ihr seht."

Der Kaiser spuckte Blut und brachte noch ein Wort heraus: "Schlange."

"Ich bin eine Schlange, Eure Kaiserliche Majestät, durch und durch. Aber ich habe nicht gelogen, Vivec hat tatsächlich einen Boten entsandt. Offenbar wird sich sein Eintreffen etwas hinauszögern." Der Potentat zuckte mit den Achseln, während er auf den Geheimgang zuging. "Aber macht Euch keine Sorgen. Ich bin sicher, dass das Essen nicht verderben wird."

Der Kaiser von Tamriel starb in seinem Blut liegend im leeren, für den großen Ball geschmückten Audienzsaal. 15 Minuten später fand ihn sein Leibwächter. Corda war spurlos verschwunden.


8. Sonnenuntergang 2920
Caer Suvio, Cyrodiil

Fürst Glavius war der erste Abgesandte, der Vivec und seine Eskorte bei ihrem Eintreffen empfing. Er entschuldigte sich überschwänglich für die schlechte Straße durch den Wald. Die kahlen Bäume um die Villa waren mit Ketten aus leuchtenden Kugeln geschmückt, die in der kalten Nachtbrise sanft hin- und herschaukelten. Von innen konnte Vivec ein einfaches Festmahl riechen und vernahm eine hohe, traurige Melodie. Es war ein traditionelles Winterlied der Akaviri.

Versidue-Shaie begrüßte Vivec am Vordereingang.

"Ich bin froh, dass Ihr die Nachricht noch erhalten habt, bevor Ihr die Stadt erreichtet." Der Potentat führte seinen Gast in den großen, warmen Salon. "Dies ist eine schwierige Übergangszeit, und im Augenblick ist es am besten, wenn wir diese Angelegenheit nicht in der Hauptstadt besprechen."

"Es gibt keinen Erben?", fragte Vivec.

"Keinen offiziellen, nein, obwohl einige entfernte Cousins um den Thron wetteifern. Der Adel hat beschlossen, dass ich vorübergehend die Ämter und Pflichten meines verstorbenen Herrn übernehme, bis die Verhältnisse geklärt sind." Versidue-Shaie wies die Diener an, zwei bequeme Sessel vor den Kamin zu ziehen. "Wäre es Euch recht, wenn wir das Abkommen sofort unterzeichnen, oder möchtet Ihr lieber vorher etwas essen?"

"Ihr wollt das Abkommen des Kaisers erfüllen?"

"Ich will alles im Sinne des Kaisers tun", sagte der Potentat.


14. Sonnenuntergang 2920
Tel Aruhn, Morrowind

Noch staubig von der Reise warf sich Corda in die Arme der Mutter der Nacht. Einen Moment lang standen sie eng umschlungen. Die Mutter der Nacht strich ihrer Tochter über das Haar und küsste ihre Stirn. Schließlich griff sie in ihren Ärmel und reichte Corda einen Brief.

"Was ist das?", fragte Corda.

"Ein Brief des Potentaten, in dem er sein Entzücken über dein Können ausdrückt", antwortete die Mutter der Nacht. "Er verspricht uns einen Lohn, aber ich habe ihm bereits eine Antwort geschickt. Die verstorbene Kaiserin hat uns schon genug für den Tod ihres Mannes entlohnt. Mephala würde nicht wollen, dass wir übermäßig gierig sind. Du sollst nicht zweimal für denselben Mord bezahlt werden, so steht es geschrieben."

"Er hat meine Schwester Rijja umgebracht", sagte Corda leise.

"Deshalb solltest ja auch du den Schlag ausführen."

"Wohin soll ich jetzt gehen?"

"Wird ein Mitglied unserer Gemeinschaft zu bekannt, um den heiligen Feldzug fortzusetzen, schicken wir es auf eine Insel namens Vounoura. Sie ist etwa eine Monatsreise von hier mit dem Schiff entfernt, und ich habe für ein wunderschönes Anwesen gesorgt, das dir dort als Zuflucht dient." Die Mutter der Nacht küsste die Tränen des Mädchens fort. "Du wirst dort viele Freunde treffen, mein Kind, und ich weiß, dass du endlich Frieden und Glück finden wirst."


19. Sonnenuntergang 2920
Gramfeste, Morrowind

Almalexia inspizierte den Wiederaufbau der Stadt. Der ungebrochene Geist der Bürger war wahrlich beeindruckend, dachte sie, als sie an den Gerüsten der neuen Bauten entlangging, die zwischen den geschwärzten Ruinen der alten Stadt standen. Sogar das Pflanzenleben zeigte eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. In den Cohmbeeren- und Roobuschsträuchern, die einst die Hauptallee gesäumt hatten, steckte noch Lebenskraft. Sie spürte, wie sie pulsierte. Im nächsten Frühling würde Grün aus dem schwarzen Geäst sprießen.

Der Erbe des Herzogs, ein Jüngling von beträchtlicher Intelligenz und mit dem unerschütterlichen Mut der Dunmer, war unterwegs vom Norden hierher, um den Platz seines Vaters einzunehmen. Die Nation würde sich nicht nur erholen, sie würde stärker werden und expandieren. Die Zukunft, das spürte sie, barg mehr als die Gegenwart.

Und eines wusste sie ganz sicher: Gramfeste würde für immer die Heimat wenigstens einer Göttin sein.


22. Sonnenuntergang 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

"Die Linie von Cyrodiil ist ausgestorben", verkündete der Potentat auf dem Balkon des Kaiserpalasts der darunter versammelten Menge. "Aber das Kaiserreich lebt weiter. Die entfernten Verwandten unseres geliebten Kaisers sind von den Edelleuten, die seine Kaiserliche Majestät während seiner langen und ruhmreichen Regentschaft treu beraten haben, als für die Thronfolge unwürdig befunden worden. Es ist daher beschlossen worden, dass ich als unparteiischer und treuer Freund Remans III. die Verpflichtung übernehmen soll, in seinem Namen weiterzuregieren."

Der Akaviri hielt inne, damit seine Worte gebührend auf die Bevölkerung wirken konnten. Diese starrte ihn jedoch nur schweigend an. In den Straßen hatte es unablässig geregnet, aber die Sonne war kurz hinter den Wolken hervorgetreten, als würde ihnen von den Winterstürmen eine Atempause gegönnt.

"Ich möchte nachdrücklich betonen, dass ich den Titel des Kaisers nicht beanspruche", setzte er fort. "Ich bin und bleibe weiterhin Potentat Versidue-Shaie, ein Fremder, der in diesem Land freundlich aufgenommen wurde. Es wird meine Aufgabe sein, meine Wahlheimat zu schützen, und ich gelobe feierlich, unermüdlich an dieser Aufgabe zu arbeiten, bis jemand, der ihrer würdiger ist, mir diese Last abnimmt. Als erste Amtshandlung erkläre ich hiermit, dass zum Gedenken an diesen historischen Moment vom Ersten des Morgensterns an das Jahr Eins des Zweiten Zeitalters nach unserer Zeitrechnung beginnen wird. Somit betrauern wir den Verlust unserer kaiserlichen Familie und blicken mit Zuversicht in die Zukunft."

Diesen Worten applaudierte nur ein Mann. König Dro'Zel von Senchal glaubte aufrichtig, dass dies das Beste sei, was Tamriel in seiner langen Geschichte je geschehen war. Er war natürlich vollkommen verrückt.


31. Sonnenuntergang 2920
Ebenherz, Morrowind

In den verqualmten Katakomben unter der Stadt, wo Sotha Sil mit seinem geheimnisvollen Uhrwerk-Apparat die Zukunft schmiedete, geschah etwas Unvorhergesehenes. Aus einem Getriebe, das seine Dienste bisher problemlos verrichtet hatte, sickerte eine ölige Luftblase und zerplatzte. Sofort richtete der Zauberer seine Aufmerksamkeit darauf und auf die Kette, die diesen kleinen Vorgang ausgelöst hatte. Ein Rohr verschob sich um zwei Zentimeter nach links. Ein Zahnriemen verrutschte. Eine Spule wickelte sich neu auf und begann, in Gegenrichtung zu rotieren. Ein Kolben, der seit Jahrtausenden links-rechts, links-rechts gestoßen hatte, begann plötzlich, rechts-links zu stoßen. Nichts zerbrach, aber alles änderte sich.

"Da kann man jetzt nichts mehr machen", sagte der Zauberer leise.

Er sah durch einen Riss in der Decke in den Nachthimmel hinauf. Es war Mitternacht. Das zweite Zeitalter, das Zeitalter des Chaos, hatte begonnen.

Bethsoftblack Dieser Text stammt aus The Elder Scrolls, einer Spieleserie von Bethesda Softworks, oder von offiziellen Webseiten des Unternehmens. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Bethesda Softworks. Die Verwendung dieses Textes im Elder Scrolls Wiki impliziert keine Zugehörigkeit oder offizielle Verbindung zum Elder Scrolls Wiki oder zu Fandom. Die Nutzung dieses Textes erfolgt im Rahmen der Fair-Use-Bestimmungen des Urheberrechts.
Abendstern
2920: Band XII
Das letzte Jahr des Ersten Zeitalters

von Carlovac Townway


1. Sonnenuntergang, 2920
Balmora, Morrowind

Die winterliche Morgensonne schimmerte durch die Eisblumen am Fenster, und Almalexia öffnete die Augen. Ein alter Heiler wischte ihr mit einem feuchten Tuch über die Stirn und lächelte erleichtert. Im Stuhl neben ihrem Bett schlief Vivec. Der Heiler eilte zu einem Schränkchen und kehrte mit einem Wasserkrug zurück.

"Wie fühlt Ihr Euch, Göttin?" fragte der Heiler.

"Als hätte ich sehr, sehr lange geschlafen", sagte Almalexia.

"Das habt Ihr auch. Fünfzehn Tage lang", sagte der Heiler. Er berührte Vivec am Arm. "Meister, wacht auf. Sie spricht."

Vivec schlug die Augen erschrocken auf, aber beim Anblick der lebenden, wachen Almalexia breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er küsste ihre Stirn und nahm ihre Hand. Endlich strahlte ihr Körper wieder Wärme aus.

Almalexia erwachte plötzlich aus ihrer friedlichen Ruhe: "Sotha Sil-"

"...ist am Leben und wohlauf", antwortete Vivec. "Er arbeitet wieder irgendwo an einer seiner Maschinen. Er wollte auch hier bleiben, aber ich habe ihn überzeugen können, dass er dir mit seiner eigenartigen Zauberei mehr nutzen würde."

Der Kastellan erschien in der Tür. "Meister, verzeiht die Störung, ich wollte Euch nur mitteilen, dass Euer schnellster Bote in den frühen Morgenstunden zur Kaiserstadt aufgebrochen ist."

"Bote?" fragte Almalexia. "Vivec, was ist geschehen?"

"Ich sollte am Sechsten beim Kaiser einen Waffenstillstand unterzeichnen, deshalb habe ich ihm Nachricht geschickt, dass es verschoben werden muss."

"Hier kannst du doch nichts für mich tun", sagte Almalexia, während sie sich mühsam aufsetzte. "Aber wenn du diesen Waffenstillstand nicht unterzeichnest, wird Morrowind wieder in einen Krieg gestürzt, der vielleicht weitere achtzig Jahre dauert. Wenn du heute mit einer Eskorte aufbrichst und dich beeilst, erreichst du die Kaiserstadt vielleicht mit nur ein oder zwei Tagen Verspätung."

"Bist du sicher, dass du mich hier nicht brauchst?" fragte Vivec.

"Ich weiß, dass Morrowind dich mehr braucht."

6. Sonnenuntergang, 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

Kaiser Reman III. saß auf seinem Thron und betrachtete den Audienzsaal. Es war ein prächtiger Anblick: von den Balken hingen silberne Bänder, in jeder Ecke standen Kessel, in denen süße Kräuter siedeten, pyandonische Schwalbenschwänze flogen umher und erfüllten den Raum mit ihrem Gesang. Sobald die Fackeln angezündet würden und die Diener mit ihren Fächern bereit standen, würde sich das Zimmer in ein schimmerndes Land der Phantasie verwandeln. Er konnte die Gewürz- und Bratendüfte aus der Küche bereits riechen.

Der Potentat Versidue-Shaie und sein Sohn Savirien-Chorak glitten in den Raum; beide trugen Kopfputz und Schmuck der Tsaesci. Auf ihren goldenen Gesichtern war wie meistens kein Lächeln zu sehen. Der Kaiser begrüßte seinen vertrauten Berater dennoch mit Begeisterung.

"Das wird diese wilden Dunkelelfen gewiss beeindrucken", lachte er. "Wann sollen sie eintreffen?"

"Soeben ist ein Bote von Vivec gekommen", sagte der Potentat ernst. "Ich glaube, es wäre das Beste, wenn Eure Kaiserliche Erhabenheit ihn allein träfe."

Dem Kaiser verging sein Lachen, aber er wies seine Diener an, sich zurückzuziehen. Dann öffnete sich die Tür, und die Kurtisane Corda betrat den Raum mit einem Pergament in der Hand. Sie schloss die Tür hinter sich, hielt aber den Blick gesenkt, als sie auf den Kaiser zuging.

Reman erhob sich, um den Brief entgegenzunehmen. "Der Bote hat seinen Brief meiner Geliebten gegeben?", sagte er ungläubig. "Das ist eine höchst unorthodoxe Weise, eine Nachricht zu überbringen."

"Aber die Nachricht selbst ist sehr orthodox", sagte Corda. Sie hob den Kopf und sah ihm in das gute Auge. Mit einer blitzschnellen Bewegung hob sie den Brief unter das Kinn des Kaisers. Seine Augen weiteten sich, und Blut quoll über das leere Pergament. Leer bis auf ein kleines schwarzes Zeichen: das Symbol der Morag Tong. Als es zu Boden fiel, kam der kleine, dahinter verborgene Dolch zum Vorschein, den sie jetzt drehte, um ihm die Kehle weiter durchzuschneiden. Der Kaiser brach zusammen und sank lautlos keuchend zum Boden.

"Wie lange braucht Ihr?" fragte Savirien-Chorak.

"Fünf Minuten", sagte Corda, während sie das Blut von ihren Händen wischte. "Wenn Ihr mir zehn schenken könnt, wäre ich allerdings doppelt dankbar."

"Sehr gut", sagte der Potentat, während Corda bereits aus dem Audienzsaal lief. "Das Mädchen hätte auch eine Akaviri sein können. Die Kunstfertigkeit, mit der sie eine Klinge verwendet, ist wirklich bemerkenswert."

"Ich muss gehen und für unser Alibi sorgen", sagte Savirien-Chorak, und verschwand in einem Geheimgang, von dem nur die engsten Vertrauten des Kaisers wussten.

"Eure Kaiserliche Majestät erinnern sich vielleicht an eine Begebenheit vor etwa einem Jahr." Der Potentat lächelte den sterbenden Mann auf dem Boden an. "Ihr habt gesagt: Merkt Euch eines - ihr Akaviri stellt gern euer Können zur Schau, aber wenn uns auch nur ein Angriff gelingt, ist es mit Euch aus und vorbei. Das habe ich mir gemerkt, wie Ihr seht."

Der Kaiser spuckte Blut und brachte noch ein Wort heraus: "Schlange!"

"Ich bin eine Schlange, Eure Kaiserliche Majestät, durch und durch. Aber ich habe nicht gelogen; Vivec hat tatsächlich einen Boten entsandt. Offenbar wird sich sein Eintreffen etwas hinauszögern." Der Potentat zuckte mit den Achseln, während er auf den Geheimgang zuging. "Aber macht Euch keine Sorgen. Ich bin sicher, dass das Essen nicht verderben wird."

Der Kaiser von Tamriel starb in seinem Blut liegend im leeren, für den großen Ball geschmückten Audienzsaal. Fünfzehn Minuten später fand ihn sein Leibwächter. Corda war spurlos verschwunden.


>8. Sonnenuntergang, 2920
Caer Suvio, Cyrodiil

Fürst Glavius war der erste Abgesandte, der Vivec und seine Eskorte bei ihrem Eintreffen empfing. Er entschuldigte sich überschwänglich für die schlechte Straße durch den Wald. Die kahlen Bäume um die Villa waren mit Ketten aus leuchtenden Kugeln geschmückt, die in der kalten Nachtbrise sanft hin- und herschaukelten. Von innen konnte Vivec ein einfaches Festmahl riechen und vernahm eine hohe, traurige Melodie. Es war ein traditionelles Winterlied der Akaviri.

Versidue-Shaie begrüßte Vivec am Vordereingang.

"Ich bin froh, dass Ihr die Nachricht noch erhalten habt, bevor Ihr die Stadt erreichtet." Der Potentat führte seinen Gast in den großen, warmen Salon. "Dies ist eine schwierige Übergangszeit, und im Augenblick ist es am besten, wenn wir diese Angelegenheit nicht in der Hauptstadt besprechen."

"Es gibt keinen Erben?" fragte Vivec.

"Keinen offiziellen, nein, obwohl einige entfernte Vettern um den Thron wetteifern. Der Adel hat beschlossen, dass ich vorübergehend die Ämter und Pflichten meines verstorbenen Herrn übernehme, bis die Verhältnisse geklärt sind." Versidue-Shaie wies die Diener an, zwei bequeme Sessel vor den Kamin zu ziehen. "Wäre es euch recht, wenn wir das Abkommen sofort unterzeichnen, oder möchtet Ihr lieber vorher etwas essen?"

"Ihr wollt das Abkommen des Kaisers erfüllen?"

"Ich will alles im Sinne des Kaisers tun", sagte der Potentat.

Sonnenuntergang 14 Sonne, 2920
Tel Aruhn, Morrowind

Noch staubig von der Reise warf sich Corda in die Arme der Mutter der Nacht. Einen Moment lang standen sie eng umschlungen. Die Mutter der Nacht strich ihrer Tochter über das Haar und küsste ihre Stirn. Schließlich griff sie in ihren Ärmel und reichte Corda einen Brief.

"Was ist das?" fragte Corda.

"Ein Brief vom Potentaten, in dem er sein Entzücken über dein Können ausdrückt", antwortete die Mutter der Nacht. "Er verspricht uns einen Lohn, aber ich habe ihm bereits eine Antwort geschickt. Die verstorbene Kaiserin hat uns schon genug für den Tod ihres Mannes entlohnt. Mephala würde nicht wollen, dass wir übermäßig gierig sind. Du sollst nicht zweimal für denselben Mord bezahlt werden, so steht es geschrieben."

"Er hat meine Schwester Rijja umgebracht", sagte Corda leise.

"Deshalb solltest ja auch du den Schlag ausführen."

"Wohin soll ich jetzt gehen?"

"Wird ein Mitglied unserer Gemeinschaft zu bekannt, um den heiligen Feldzug fortzusetzen, schicken wir es auf eine Insel, genannt Vounoura. Sie ist etwa eine Monatsreise von hier mit dem Schiff entfernt, und ich habe für ein wunderschönes Anwesen gesorgt, das dir dort als Zuflucht dient". Die Mutter der Nacht küsste die Tränen des Mädchens fort. "Du wirst dort viele Freunde treffen, mein Kind, und ich weiß, dass du endlich Frieden und Glück finden wirst."

19. Sonnenuntergang, 2920
Gramfeste, Morrowind

Almalexia inspizierte den Wiederaufbau der Stadt. Der ungebrochene Geist der Bürger war wahrlich beeindruckend, dachte sie, als sie an den Gerüsten der neuen Bauten entlangging, die zwischen den geschwärzten Ruinen der alten Stadt standen. Sogar das Pflanzenleben zeigte eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. In den Cohmbeer- und Roobuschsträuchern, die einst die Hauptallee gesäumt hatten, war noch Lebenskraft. Sie spürte, wie sie pulsierte. Im nächsten Frühling würde Grün aus dem schwarzen Geäst sprießen.

Der Erbe des Herzogs, ein Jüngling von beträchtlicher Intelligenz und mit dem unerschütterlichen Mut der Dunmer, war unterwegs vom Norden hierher, um den Platz seines Vaters einzunehmen. Die Nation würde sich nicht nur erholen; sie würde stärker werden und expandieren. Die Zukunft, das spürte sie, barg mehr als die Gegenwart.

Und eines wusste sie ganz sicher: Gramfeste würde für immer die Heimat wenigstens einer Göttin sein.

Sonnenuntergang 22 Sonne, 2920
Die Kaiserstadt, Cyrodiil

"Die Linie von Cyrodiil ist ausgestorben", verkündete der Potentat auf dem Balkon des Kaiserpalasts der versammelten Menge darunter. "Aber das Kaiserreich lebt weiter. Die entfernten Verwandten unseres geliebten Kaisers sind von den Edelleuten, die seine Kaiserliche Majestät während seiner langen und ruhmreichen Regentschaft treu beraten haben, als für die Thronfolge unwürdig befunden worden. Es ist daher beschlossen worden, dass ich als unparteiischer und treuer Freund Remans des Dritten die Verpflichtung übernehmen soll, in seinem Namen weiterzumachen."

Der Akaviri hielt inne, damit seine Worte gebührend auf die Bevölkerung wirken konnten. Diese starrte ihn jedoch nur schweigend an. In den Straßen hatte es unablässig geregnet, aber die Sonne war kurz hinter den Wolken hervorgetreten, als würde ihnen von den Winterstürmen eine Atempause gegönnt.

"Ich möchte nachdrücklich betonen, dass ich den Titel des Kaisers nicht beanspruche" setzte er fort. "Ich bin und bleibe weiterhin Potentat Versidue-Shaie, ein Fremder, der in diesem Land freundlich aufgenommen wurde. Es wird meine Aufgabe sein, meine Wahlheimat zu schützen, und ich gelobe feierlich, unermüdlich an dieser Aufgabe zu arbeiten, bis jemand, der ihrer würdiger ist, mir diese Last abnimmt. Als erste Amtshandlung erkläre ich hiermit, dass zum Gedenken an diesen historischen Moment vom Ersten des Morgensterns an das Jahr Eins des Zweiten Zeitalters nach unserer Zeitrechnung beginnen wird. Somit betrauern wir den Verlust unserer kaiserlichen Familie und blicken mit Zuversicht in die Zukunft."

Diesen Worten applaudierte nur ein Mann. König Dro'Zel von Senchal glaubte aufrichtig, dass dies das Beste sei, was Tamriel in seiner langen Geschichte je geschehen war. Er war natürlich vollkommen verrückt.

31. Sonnenuntergang, 2920
Ebenherz, Morrowind

In den verqualmten Katakomben unter der Stadt, wo Sotha Sil mit seinem geheimnisvollen Uhrwerk-Apparat die Zukunft schmiedete, geschah etwas Unvorhergesehenes. Aus einem Getriebe, das seine Dienste bisher problemlos verrichtet hatte, sickerte eine ölige Luftblase und zerplatzte. Sofort richtete der Zauberer seine Aufmerksamkeit darauf und auf die Kette, die diesen kleinen Vorgang ausgelöst hatte. Ein Rohr verschob sich um einen halben Zoll nach links. Ein Zahnriemen verrutschte. Eine Spule wickelte sich neu auf und begann, in Gegenrichtung zu rotieren. Ein Kolben, der seit Jahrtausenden links-rechts, links-rechts gestoßen hatte, begann plötzlich, rechts-links zu stoßen. Nichts zerbrach, aber alles änderte sich.

"Da kann man jetzt nichts mehr machen", sagte der Zauberer leise.

Er sah durch einen Riss in der Decke in den Nachthimmel hinauf. Es war Mitternacht. Die zweite Ära, das Zeitalter des Chaos, hatte begonnen.

Bethsoftblack Dieser Text stammt aus The Elder Scrolls, einer Spieleserie von Bethesda Softworks, oder von offiziellen Webseiten des Unternehmens. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Bethesda Softworks. Die Verwendung dieses Textes im Elder Scrolls Wiki impliziert keine Zugehörigkeit oder offizielle Verbindung zum Elder Scrolls Wiki oder zu Fandom. Die Nutzung dieses Textes erfolgt im Rahmen der Fair-Use-Bestimmungen des Urheberrechts.